Vergilvita Sueton DonatStruktur und Wirkungsgeschichte antiker Biographien am Beispiel der Vergilvita von Sueton-Donatus

Mit besonderer Berücksichtigung der Vitae Virgilianae Mo­nacenses II und III

Paul Natterer
Reihe: Aufsätze zur Klassischen Philologie

2014
11 Seiten
Sprache: Deutsch
Ausgabe: PDF-Datei
Format: DIN A4

Datenübermittlung:

Antike Biographie am Beispiel der Vergilvita

 

Artikelbeschreibung

Welche philologischen und literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkte im Einzelnen bei der Literaturgattung oder -familie 'Antike Biographie' hereinspielen, zeigt anhand der sehr bekannten Biographie des römischen Nationaldichters Vergil mein Papier: 'Struktur und Wirkungsgeschichte antiker Biographien am Beispiel der Vergilvita von Sueton-Donatus'.

Man kann das Papier als Fallstudie zu der derzeit maßgeblichen Untersuchung zur antiken Biographie von Dirk Frickenschmidt lesen. Frickenschmidt ist zwar erstrangig Neutestamentler, aber sein Evangelium als Biographie. Die vier Evangelien im Rahmen antiker Erzählkunst (Stuttgart 1997, 550 S.) ist auch ein Grundlagenwerk der klassischen Philologie, insofern es in Kapiteln 3 bis 6 eine vollständige Bestandsaufnahme der der biographischen Literaturfamilie angehörenden Schriften der Antike bietet. In Kap. 7 wird „zum ersten Mal in der Forschung – aus der empirischen Vielfalt erhaltener Formen eine umfassende Hypothese zur Entstehung antiker Biographien entwickelt, bei der alle Spielarten der Literaturfamilie von der kurzen Basis-Biographie über die (um angehängte Ergänzungen) erweiterte Grundform bis hin zur ausführlich erzählenden langen Biographie ... berücksichtigt werden“ (1997, 504). Und in Kap. 8 wird „ebenfalls erstmals in der Forschung eine grundlegende und einigermaßen ausführliche deskriptive Topologie antiker Biographien erarbeitet, bei der weitverbreitete und wiederkehrende biographische Erzählkonventionen quer durch verschiedene Zeiten und verschiedene Arten antiker Biographien zusammengestellt und ausgewertet wurden“ (ebd. 505).

Frickenschmidt: "Zu den wichtigsten Ergebnissen in diesem Kapitel [8] gehören u.a. die Erfassung folgender Phänomene in antiken Biographien: die Wichtigkeit der Dreigliedrigkeit als grundlegende Erzählstruktur im Aufbau verschieden umfangreicher Biographien; die aus Äußerungen in Proömien und Epilogen erschließbare doppelte biographische Funktion, einerseits das Wesentliche und Exemplarische an maßgebenden Menschen zu erfassen, andererseits eine sehr weitgehende Präsenz dieser maßgebenden Menschen im Leben der Leser bzw. Hörer der Biographie zu ermöglichen [...], die Bedeutung des ersten großen öffentlichen Auftretens für den Übergang vom Anfangsteil zum Mittelteil der Biographie; die häufige Verknüpfung chronologischer und thematischer Gliederungs-Aspekte im Mittelteil (samt der Möglichkeit der erzählerischen Freiheit chronologischer Dislozierung) [...]; das erzählerische Mittel der Zeitdehnung bei der Schilderung der letzten Tage und Stunden.“ (Frickenschmidt 1997, 505–506)

Die vorliegende Studie zeigt insbesondere auch, welche Verformungen die Gattung bedrohen können. Im Fall der Evangelien drohten solche Verformungen - wie schon beim Alten Testament (Tanakh) - durch apokryphe Schriften, die nicht durch die sehr strenge und genaue Lehrtradition als authentisch legitimiert waren (siehe das E-Buch Wissenschaftsphilosophie des Neuen Testamentes, Kap. 4 und 5).