Deutscher IdealismusDer spekulative deutsche Idealismus: Antrieb - Herkunft - Phasen

Paul Natterer
Reihe: Sonderdrucke

2017
60 Seiten
Sprache: Deutsch
Ausgabe: PDF-Datei
Format: 15,5 cm x 22 cm

 

Datenübermittlung:

Der spekulative deutsche Idealismus

 

Artikelbeschreibung

Der nachkantische Deutsche Idealismus, insbesondere von Fichte (1762–1814), Schelling (1775–1854) und Hegel (1770–1831) operiert zwischen den Polen (i) des kantischen transzendentalen Ich und seiner formalontologischen Synthesistätigkeit (Fichte) und (ii) des kantischen transzendentalen Ideals als begrifflicher Entfaltung des Absoluten (Schelling) und aktualisiert dazu (iii) das in Platons Spätdialogen grundgelegte und im Neuplatonismus systematisierte dialektische Denken (Hegel). Es ist daher nicht falsch zu sagen, dass hier neuerdings (der von Kant gegen die rationalistische Philosophie etwa Wolffs als für uns unmöglich beschriebene) Versuch einer deduktiven begriffslogischen, spekulativen Metaphysik unternommen wird. Ein Versuch, welcher namentlich auch von der Hochscholastik abgelehnt worden war.

Aber viel wichtiger ist, dass diese Denker ein überwältigendes Bewusstsein der totalen Niederlage und des Untergangs von ernsthafter Bildung, Metaphysik und Religion seit dem 18. Jh. hatten. Diese Themen waren – bei Strafe der Lächerlichkeit und sozialen Ausgrenzung – zu gesellschaftlichen Tabuthemen geworden, wie Fichte in seiner Religionsphilosophie von 1806 und Schleiermacher in den Reden über die Religion (1799) aus unmittelbarem Erleben dokumentieren. Ähnlich Hegels Vorrede zur Wissenschaft der Logik, dass Ontologie, Metaphysik und philosophische Theologie sich nicht mehr „vernehmen lassen ... dürfen“ und „seit etwa fünfundzwanzig Jahren ... mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden“ seien: Man stehe dem „merkwürdigen“ Befund gegenüber, dass „ein Volk seine Metaphysik verliert“ und der „Geist kein wirkliches Dasein mehr in demselben hat“. Dass auch „die Theologie ... diese Wissenschaft gegen Gefühle, gegen das ... Populäre und ... Historische aufgegeben“ hat: „Welcher Veränderung entsprechend ist“, dass spirituelle Anachoreten und kontemplative Orden mit „dem Zwecke, daß die Kontemplation des Ewigen und ein allein ihr dienendes Leben vorhanden sei ... verschwanden“.

In dieser Lage sahen sich die Vordenker des Deutschen Idealismus – wie auch die sich mit ihm thematisch und personell überschneidende Deutsche Romantik – zu einem vollständig neuen Wiederaufbau einschließlich der Fundamente genötigt. Ihnen gemeinsam ist der Wille, die Philosophie, durch welche alle anderen Wissenschaften erst kritisch fundiertes und ganzheitlich integriertes Wissen werden, als wissenschaftsgestütztes, umfassendes und ganzheitliches Weltbild aufzustellen (Schellings Universalwissenschaft), ihr eine Wissenschaftstheorie (Fichtes Wissenschaftslehre) zu geben sowie eine streng wissenschaftliche Methode zu entwickeln (Hegels Wissenschaft der Logik). Das ist natürlich sehr vergröbert, aber macht die jeweiligen Schwerpunkte klar. Von dieser Wissenschaft erwartet heute – so Hegel – der bis zum 18. Jh. in der religiösen Zivilisation orientierte und vitalisierte Geist, der jetzt als verlorener Sohn die Schweine hütet und von ihren Trebern lebt, aber umkehrwillig ist, das Wissen um den Weg zum Glauben und zu seiner wahren Identität. Äußerliche Restauration – so Hegel weiter – führt hier nicht weiter, sondern nur ein begriffliches Erfassen und lebendiges Weiterdenken des Zeitbewusstseins (Hegel: Phänomenologie des Geistes, Hamburg 1988, Vorrede, 7).

Das E-Buch erörtert dieses Programm fachübergreifend. Sein Inhalt gliedert sich in folgende Kapitel:

1 Große Vereinheitlichung  3

2 Pantheistischer Zeitgeist  6

3 Platonische Wirkungsgeschichte  8

4 Fichtes subjektiver Idealismus  12

5 Hegels objektiver Idealismus  28

6 Spirituelle Motivation  45

7 Schellings Schwanengesang  48

8 Aquinas revisited  53

9 Der Sachstand im 21. Jahrhundert  56